Mit neun oder zehn stoßen viele Kinder beim Ausmalen an eine Wand: Die Seite ist ordentlich, keine Farbe rutscht über die Linien, und trotzdem wirkt das Bild flach. Der Drache sieht aus wie ein Sticker. Was fehlt, sind keine besseren Stifte und keine schönere Vorlage. Was fehlt, ist Schattieren. Und den ganzen Trick lernst Du an einem Nachmittag, mit der Stiftebox, die Du schon hast.
Dieser Ratgeber spricht mit Dir, also mit der Person, die den Stift hält. Du musst nichts kaufen und niemanden um Erlaubnis fragen. Du brauchst nur zwanzig Minuten und eine Seite, an der Du herumprobieren darfst.
Was Du brauchst
- Buntstifte. Jedes Set geht, auch die angebrochene Schulbox.
- Eine Ausmalseite mit großen, einfachen Formen. Die Detailseiten heben wir uns auf.
- Schmierpapier zum Aufwärmen.
- Einen Spitzer, denn eine stumpfe Spitze macht leichte Schichten schwer.
Buntstifte geben Dir die feinste Kontrolle über den Druck, deshalb beginnt dieser Ratgeber mit ihnen. Wachsmalstifte können aber auch schattieren und bekommen weiter unten ihren eigenen Abschnitt. Wenn Du noch überlegst, welches Werkzeug überhaupt passt, hilft unser Vergleich von Wachsmalstiften, Filzstiften und Buntstiften weiter.
Lerne zuerst Deine Druckskala
Hier ist das Geheimnis, das kaum jemand bemerkt: Ein einziger Buntstift ist mindestens drei verschiedene Farben. Was sich ändert, ist nur, wie fest Du aufdrückst.
| Druck | Was er Dir gibt |
|---|---|
| Hauch | Kaum Berührung. Ein blasser, fast durchsichtiger Farbschleier. |
| Mittel | Normaler Schreibdruck. Die Farbe, die außen auf dem Stift steht. |
| Volle Kraft | So fest, wie es bequem geht. Die dunkelste, glänzendste Version der Farbe. |
Wärm Dich auf Schmierpapier auf, bevor Du an Deine Seite gehst. Zeichne einen langen Kasten und fülle ihn von einem Ende zum anderen, vom Hauch bis zur vollen Kraft, sodass die Farbe ohne Streifen von blass nach dunkel gleitet. Dieses sanfte Gleiten heißt Verlauf, und Töne so von hell nach dunkel aufzubauen ist genau die Übung, mit der auch Künstler arbeiten, etwa in dieser Schattier-Anleitung für Buntstifte. Halte den Stift dabei leicht schräg, dann berührt mehr Spitze das Papier und die Farbe legt sich glatter ab.
Die fünf Schritte zur schattierten Form
Such Dir eine große Form auf Deiner Seite aus: einen Drachenbauch, ein Dinosaurierbein, einen einzelnen Ring eines Mandalas. Dann arbeite die Schritte der Reihe nach ab.
- 1Entscheide, woher das Licht kommt. Wähle eine Ecke der Seite, stell Dir dort eine Lampe vor und bleib dabei. Alles, was zur Lampe zeigt, bleibt hell. Alles, was wegzeigt, wird dunkel.
- 2Lege einen Hauch über die ganze Form. Schräger Stift, leichteste Berührung. Das ist die Grundschicht, auf der alles andere sitzt.
- 3Verdunkle die abgewandte Seite in Schichten. Geh über die lampenferne Seite noch einmal mit Hauchdruck, und noch einmal; jede Runde endet etwas früher als die letzte. Gestapelte leichte Schichten bauen eine Tiefe auf, die ein einziger fester Strich nie erreicht.
- 4Schattiere mit einer Farbe, nicht mit Schwarz. Schwarz über einer anderen Farbe wird meistens Matsch. Probiere stattdessen Dunkelblau, Lila oder Indigo über Deiner Hauptfarbe; die Schattier-Tipps von Pencils.com empfehlen genau diese Töne, weil sie reichere Schatten ergeben, als Schwarz es je könnte.
- 5Poliere zum Schluss. Nimm Deinen hellsten Stift, Weiß oder Creme, und geh fest über die ganze Form. Das verschmilzt die Schichten, und die Oberfläche wirkt glatt statt kratzig.

Typische Fehler, und woran Du sie erkennst
Der Schatten mit harter Kante. Endet die dunkle Seite in einer sichtbaren Linie, wirkt die Form gestreift statt rund. Verwische die Grenze mit einer Hauchschicht derselben Farbe, bis Du nicht mehr sagen kannst, wo hell in dunkel übergeht.
Zwei Lichtquellen. Wer beide Seiten einer Form schattiert, lässt sie verbeult aussehen. Kommt Dir eine Form plötzlich falsch vor, geh zurück zu Schritt eins: Wo hing Deine Lampe?
Zu schnell zu dunkel. Ein fester Strich mit voller Kraft, und die Form sieht eher geprellt als schattiert aus. Volle Kraft kennt kein Zurück, also halte die frühen Schichten leicht.
Wenn Du nur Wachsmalstifte hast
Wachsmalstifte schattieren auch, nur lauter. Die Druckskala funktioniert genauso, das Schichten ebenfalls, bloß grober. Zwei Dinge ändern sich: Die Papierstruktur scheint stärker durch, was auf großen Formen richtig gut aussehen kann, und poliert wird am besten mit einem weißen Wachsmalstift, fest über alles drüber. Erwarte keine buntstiftglatten Verläufe. Erwarte etwas, das eher nach Gemälde aussieht, und mach genau das zu Deinem Stil.
Seiten, an denen sich das Üben lohnt
Die beste Schattierübung ist eine Seite mit großen, runden Formen und etwas Luft. Mandalas sind dafür fast perfekt, denn jeder Ring reicht Dir dieselbe Form wieder und wieder, eine frische Chance pro Ring auf einen glatteren Verlauf; unsere Mandala-Seiten sind genau für solches Entschleunigen gemacht. Drachen funktionieren fast genauso gut: große Bäuche, große Flügel, lauter Kurven.
Wenn Du wissen willst, wo das Schattieren im längeren Bogen des Ausmalens steht, zeichnet unser Ratgeber zum Ausmalen nach Alter den ganzen Weg nach. Und falls bei Euch ein jüngeres Kind noch mit den Linien selbst kämpft, ist dieser Ratgeber für seine Eltern da.
Und wenn diese Seiten fertig sind, ist der nächste Nachschub nur eine Suche entfernt.
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