Irgendwo in Indien fotografiert gerade eine Kamerafalle die Flanke eines Tigers. Nicht das Gesicht, die Flanke. Die Streifen dort reichen aus, um zu erkennen, welcher Tiger vorbeigelaufen ist. Kein Tiger auf der Welt trägt dasselbe Muster wie ein anderer. Denk daran, wenn dein Kind dir das nächste Mal einen Tiger hinhält, dessen Streifen in die falsche Richtung laufen. Es gibt keine falsche Richtung. Genau das macht einen Tiger aus.
Forscher zählen Tiger tatsächlich an ihren Streifen
Das Streifenmuster eines Tigers funktioniert wie ein Fingerabdruck. Es steht vor der Geburt fest, es bleibt ein Leben lang gleich, und die linke Seite passt nicht zur rechten. Naturschutzteams nutzen das. Kamerafallen fotografieren die Tiere im Vorbeigehen, und eine Software gleicht die Streifenmuster ab und unterscheidet so ein Tier vom nächsten. So wird ein wilder Bestand gezählt, Tier für Tier.
Die Streifen sitzen nicht nur im Fell. Sie sind auch auf die Haut darunter gedruckt. Ein Tiger bleibt gestreift, bis ganz nach unten.

Wer sich ein Tigerbild vornimmt, füllt keine Musterlösung aus. Er gibt einem Tiger eine Identität.
Sechs Tiger, sechs Streifenmuster
Sechs Unterarten des Tigers leben noch, und sie sehen unterschiedlich aus. Am schnellsten erkennt man den Unterschied an den Streifen: wie viele, wie breit, wie dicht, und welche Farbe dahinter liegt.
| Tiger | Streifenmuster |
|---|---|
| Bengaltiger | Kräftig und weit auseinander, auf sattem Orange. Das Muster, das die meisten im Kopf haben. |
| Amurtiger (Sibirischer Tiger) | Weniger Streifen, weiter auseinander, eher braun als schwarz. Das hellste Fell. |
| Sumatratiger | Schmale Streifen, dichter als bei jedem anderen Tiger, auf dem kleinsten Körper. |
| Malaiischer Tiger | Dem Bengaltiger ähnlich, nur deutlich kleiner. |
| Indochinesischer Tiger | Kurze, schmale Streifen, die oft in Flecken übergehen. |
| Südchinesischer Tiger | Breite Streifen mit viel Abstand. Seit Jahrzehnten nicht mehr in freier Wildbahn gesehen. |
Drei davon lohnen sich nebeneinander. Den Unterschied sieht sogar ein Fünfjähriger.
Bengaltiger: der Tiger, den alle vor Augen haben
Wer an einen Tiger denkt, denkt an diesen. Sattes Orange, dicke schwarze Balken, weißer Bauch, weiße Wangen. Der Bengaltiger hat den stärksten Kontrast von allen sechs. Deshalb ist er der beste Anfang. Große Flächen, klare Abstände, Platz zum Arbeiten.
Amurtiger: weniger Streifen, mehr Schnee
Der Amurtiger lebt dort, wo Winter noch richtig Schnee bedeutet, und man sieht es ihm an. Helleres Fell, dickere Unterwolle, und Streifen, die seltener, breiter verteilt und eher braun als schwarz sind. Nimm ein helleres Orange, als dein Gefühl sagt, und lass mehr Weiß stehen, als sich richtig anfühlt. Der Abstand zwischen den Streifen ist der ganze Charakter des Tieres.
Sumatratiger: Streifen auf engstem Raum
Der kleinste Tiger trägt das unruhigste Fell. Beim Sumatratiger laufen die Streifen schmal und dicht, manchmal doppeln sie sich, und um das Gesicht steht ein voller Kranz aus Fell. Von den dreien ist er der anspruchsvollste und der schönste, wenn er fertig ist.
Der weiße Tiger ist keine eigene Unterart
Einen siebten Tiger gibt es nicht. Ein weißer Tiger ist ein Bengaltiger, der ein einzelnes rezessives Gen doppelt geerbt hat. Es schaltet das Orange ab und lässt das Schwarz stehen. Die Streifen bleiben. Nur das Orange verschwindet.
Das ändert einiges am Maltisch. Ein weißer Tiger ist kein leerer Tiger. Er ist ein Tiger aus Streifen und Augen: anthrazitfarbene oder weich braune Balken, eisblaue Augen, ein Fell näher an Creme und Grau als an Papierweiß. Den Job, den vorher das Orange gemacht hat, übernimmt jetzt der Schatten.
Deine Streifen kann niemand korrigieren
Das ist der Teil, den man einem Kind laut sagen sollte. Jedes Streifenmuster, das es je gab, war ein Einzelstück. Der Tiger, an dem es gerade sitzt, trägt ein Muster, das es nie gab und nie wieder geben wird. Es gibt keine Lösung zum Vergleichen.
Wer trotzdem einen Anhaltspunkt braucht: echte Streifen machen drei Dinge. Sie laufen spitz aus, statt gerade zu enden. Sie gabeln sich an Schulter und Hüfte. Und an Beinen und Schwanz lösen sie sich in kurze Striche auf. Wer diese drei Gewohnheiten übernimmt, bekommt mit jedem erfundenen Muster einen echten Tiger. Wer sie weglässt, bekommt auch einen Tiger, nur einen mutigeren. Damit Fell nach Fell aussieht und nicht nach einer orangen Fläche, helfen die Stiftbewegungen aus unserem Ratgeber für echt wirkendes Fell beim Tiger genauso gut wie beim Hund.
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Druck dir einen Tiger, den es nie gab
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