Zweihundertfünfzig Gramm Mehl. Ein Stück Butter, das seit dem Mittagessen auf der Arbeitsplatte liegt, ein Ei, eine Schüssel, ein Stern und ein Herz zum Ausstechen. Und ein fünfjähriges Kind auf dem Küchenhocker, das gerade gehört hat: Der Teig muss jetzt eine halbe Stunde in den Kühlschrank.
Eine halbe Stunde ist lang, wenn man fünf ist. Genau hier kippt ein Backnachmittag gern: Finger wieder in der Schüssel, das Tablet auf dem Tisch, alle neunzig Sekunden „Ist es fertig?“. Dieses Rezept ist um genau diesen Moment herum gebaut. Es hat drei Wartezeiten, und jede bekommt ihr eigenes Ausmalbild. So wird das Warten ein Teil vom Backen und hört auf, das Loch in der Mitte zu sein.
Warum der Teig überhaupt warten muss
Kinder warten viel besser, wenn sie den Grund selbst nachsagen können. Der Grund heißt hier Butter. Kalter Teig behält im Ofen seine Form, weil das Fett darin fest ist, und festes Fett schmilzt langsamer als weiches. Die Bäcker von King Arthur haben es ausprobiert und schreiben ganz klar: schon 30 Minuten im Kühlschrank machen einen großen Unterschied, und je länger das Fett fest bleibt, desto weniger laufen die Kekse auseinander.
Eine kleine studentische Studie an der University of British Columbia ging noch weiter und backte dreizehn Bleche aus demselben Teig, gekühlt zwischen null und 240 Minuten. Ergebnis: Je länger der Teig im Kühlschrank lag, desto weniger liefen die Kekse auseinander. Für dein Kind wird daraus ein Satz, den man an der Kühlschranktür laut sagen kann: Kalte Butter schmilzt langsam, also bleiben die Sterne Sterne.
Mehr Wissenschaft braucht es an der Arbeitsplatte nicht. Der Satz gibt dem Warten eine Aufgabe. Der Teig ist beschäftigt, er wird kalt. Dein Kind ist auch beschäftigt.

Druck dieses Bild als Erstes aus und häng es mit einem Magneten an die Kühlschranktür, bevor ihr anfangt. Es ist die Ziellinie. Jedes Mal, wenn jemand nach dem Teig schaut, ist der Teller schon da, wartet noch auf seine Farben und auf die echten Kekse, die am Ende daneben liegen.
Was du brauchst, für die Kekse und fürs Warten
Das Rezept ist ein schlichter Butterkeks, der seine ausgestochene Form gut hält. Alles davon steht in einer normalen Küche schon im Schrank, und er verzeiht auch ein Kind, das zu lange rührt.
Für die Kekse
- 250 g Weizenmehl, dazu etwas zum Ausrollen
- 125 g weiche Butter
- 100 g Zucker
- 1 Ei
- eine Prise Salz und, wenn du magst, ein Teelöffel Vanille
- zwei oder drei Ausstechformen, Backpapier, ein Nudelholz und ein Kuchengitter
Fürs Warten
- vier ausgedruckte Bilder: der Teller, die Teigschüssel, die Ausstecher und der Ofen (der große Keks ist die Reserve für die Kleinsten)
- Wachsmalstifte in Gelb, Orange, Hellbraun und Dunkelbraun, dazu eine verrückte Farbe für alle, die einen blauen Keks wollen
- eine freie Ecke der Arbeitsplatte, eine Armlänge vom Mehl entfernt
- eine Küchenuhr, die dein Kind vom Hocker aus sieht
Druck die Bilder aus, bevor die Butter auf den Tisch kommt, solange deine Hände noch sauber sind. Wenn dein Drucker gern dünne graue Linien macht, findest du in unserer Anleitung zum Ausdrucken von Ausmalbildern zu Hause die zwei Einstellungen, die helfen.
Das Rezept, mit markierten Wartezeiten
Die Schritte sind absichtlich kurz. Bei jedem kann ein Kind zuschauen oder mitmachen, und die drei Wartezeiten sind markiert, damit du sie kommen siehst.
- 1Weiche Butter und Zucker etwa zwei Minuten verrühren, bis die Masse heller aussieht. Dein Kind darf abwechselnd mit dir rühren.
- 2Ei, Salz und Vanille unterrühren.
- 3Mehl dazugeben, erst mit dem Löffel rühren, dann mit sauberen Händen zu einem Teig zusammendrücken.
- 4Zu einer dicken Scheibe flach drücken, einwickeln und in den Kühlschrank legen. Wartezeit eins: 30 Minuten.
- 5Den Ofen auf 180 °C vorheizen (160 °C Umluft). Den Teig auf der bemehlten Arbeitsplatte etwa einen halben Zentimeter dick ausrollen, Formen ausstechen und auf ein Blech mit Backpapier legen.
- 68 bis 10 Minuten backen, bis die Ränder gerade goldgelb werden. Wartezeit zwei: der Ofen.
- 7Fünf Minuten auf dem Blech lassen, dann aufs Gitter heben. Wartezeit drei: Abkühlen.
Wartezeit eins: dreißig Minuten, während der Teig kühlt
Die Kühlschranktür geht zu, die Uhr läuft, und jetzt zeigen die Bilder, wofür sie da sind. Hände waschen, ab in die saubere Ecke der Arbeitsplatte, das erste Bild hinlegen. Fang mit der Schüssel an. Es ist dieselbe Schüssel, die gerade in den Kühlschrank gewandert ist, mit Tuch darüber und zwei Eiern daneben. Das gemalte und das echte Ding sind nur ein paar Schritte voneinander entfernt.
Für Kinder von 3 bis 5
Der große Keks mit dem Biss am Rand ist für kleine Hände gemacht. Eine einzige Form, große Schokostückchen und nur zwei Aufgaben: eine Farbe für den Keks, eine für die Schokolade. Die meisten Kinder in diesem Alter malen zuerst die Schokostückchen aus, weil die der lustige Teil sind. Lass sie. Ein Keks mit lila Schokolade ist immer noch ein Keks, und ein Bild, das in fünfzehn Minuten fertig ist, zählt mehr als ein sorgfältiges, das auf halber Strecke liegen bleibt.
Für Kinder von 6 bis 10
Das Bild mit den Ausstechern hat eine zweite Aufgabe, und ältere Kinder mögen sie, sobald sie sie hören. Die Formen, die sie ausmalen, sind die Formen, die ihr aussticht. Ein bunter Stern heißt Sterne, ein weißer Fisch heißt heute keine Fische. Plötzlich ist das Bild ein Plan, und das Kind mit dem Stift entscheidet, was aus dem Ofen kommt. Teilen sich zwei Geschwister das Bild, bekommt jedes zwei Formen, und die Regel gilt für beide.
Dreißig Minuten reichen bei den meisten Kindern für ungefähr anderthalb Bilder. Klingelt die Uhr mitten im Bild, lass es liegen. Es wartet bei Wartezeit zwei, und etwas Halbfertiges, zu dem man zurückkommen kann, macht die nächste Wartezeit leichter.
Das Ausstecher-Bild ist der Plan: Was ausgemalt ist, wird ausgestochen.
Wartezeit zwei und drei: das Ofenfenster und das Gitter
Zehn Minuten Ofen sind die schwerste Wartezeit des Nachmittags, weil es endlich etwas zu sehen gibt. Kinder wollen mit der Nase an der Ofentür stehen, und bei vielen Öfen wird das Glas heiß. Stell einen Stuhl einen großen Schritt vor den Ofen, so gedreht, dass dein Kind das Licht drinnen noch sieht, und leg ihm das Ofenbild mit einem Buch darunter auf den Schoß. Jetzt stehen das gemalte und das echte Blech nebeneinander. Das gemalte darf jedes Goldgelb bekommen, das dein Kind mag, das echte schafft es von allein.
Das Blech holt ein Erwachsener mit dem Ofenhandschuh heraus. Kinder dürfen zuschauen, aber das heiße Blech ist immer Erwachsenensache, und wer das vorher sagt, spart sich die Diskussion. Fünf Minuten auf dem Blech, dann kommen die Kekse aufs Gitter. Frisch aus dem Ofen sind sie weich und werden beim Abkühlen fest. Das ist der zweite Satz zum Lautsagen: Warme Kekse biegen sich, kalte Kekse knacken.
Auf dem Gitter-Bild sitzt eine Katze auf einem Hocker und schaut die Kekse mit genau dem Gesicht an, das dein Kind den ganzen Nachmittag gemacht hat. Ältere Kinder entdecken das meist, bevor du etwas sagst, und es gibt ein Lachen. Es ist das letzte Bild des Tages und das vollste, und es passt zum Abkühlen, das kein festes Ende hat: Die Kekse sind fertig, wenn eine Fingerspitze auf ihrer Rückseite kühl bleibt.
Wer im Haus noch mehr Keksfans hat, findet im Katalog weitere Backbilder für das nächste verregnete Wochenende.
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Wenn die Kekse fertig sind, und die Bilder auch
Am Ende hast du einen Teller echter Kekse und einen kleinen Stapel bunter. Bring beides zusammen. Nimm das Tellerbild von der Kühlschranktür, leg es auf die Arbeitsplatte und den ersten echten Keks auf den gemalten Teller. Das dauert zehn Sekunden und ist genau das Foto, nach dem Oma und Opa fragen.
Ein paar Dinge gehen gern schief, und alle lassen sich leicht lösen. Verliert ein Kind mitten in Wartezeit eins die Lust, tausch das Bild, statt darauf zu bestehen: Genau dafür gibt es den großen Keks. Kommt Mehl aufs Papier, lässt es sich abklopfen, sobald das Bild trocken ist, und ein bisschen Staub sieht auf einem Backbild sowieso richtig aus. Laufen die Kekse mehr auseinander als erhofft, war der Teig wahrscheinlich zu kurz im Kühlschrank. Gut zu wissen fürs nächste Mal, und sie schmecken trotzdem genauso.
Geschwister unterschiedlichen Alters können den ganzen Nachmittag teilen. Das jüngere nimmt den großen Keks und die Teigschüssel, das ältere die Ausstecher und das Gitter, und jedes bekommt eine Aufgabe im echten Rezept: das Rühren für das jüngere, das Ausstechen für das ältere. Für eine Klasse oder Gruppe wird das Ausstecher-Bild zur Abstimmung. Alle malen eine Form aus, und die Form mit den meisten Farben kommt aufs erste Blech.
Die Bilder bleiben, wenn die Kekse längst weg sind. Mit dem Datum auf der Rückseite gestapelt, werden sie zu einer kleinen Chronik eurer Backnachmittage. Und an einem grauen Samstag, an dem keiner backen will, funktionieren dieselben Bilder auch allein, neben den anderen Ideen aus unserem Beitrag über Regentage, bevor das Tablet rauskommt.
„Sind die Kekse fertig?“
„Die kühlen noch ab. Ist dein Keks fertig?“
„Meiner hat mehr Schokolade.“









